Farbtemperatur von Filmleuchten
Isabell hat eine große Leidenschaft. Sie arbeitet als Laienmodel für ein junges Berliner Studio. Doch als sie nach dem letzten Dreh ihr Close-up sieht ist sie geschockt. „Ich seh ja ganz blass aus!“ Was war geschehen?

Filmlicht ist nicht gleich Tageslicht – diese Erfahrung muss wohl jeder Filmschaffender zu Anfang seines Schaffens machen.
Besonders kritisch sind Hauttöne. Ihre äquivalente Lichtfarbe liegt um etwa 600nm Wellenlänge. Filmleuchten die in diesem orangefarbigen Bereich ihres Lichtspektrums schwach sind oder deren Linienverlauf Energiespitzen aufweist verfremden die Hautfarbe der Protagonisten. Das kann bis zu einem gewissen Grat mittels Filter bereits beim Dreh ausgeglichen werden, doch bei Filmaufnahmen mit Mischlicht (Tageslicht + Kunstlicht) entsteht regelmäßig ungewollte Schattenfarben und Fehlfarben im Teint. Das zu korrigieren erfordert in der Postproduktion einen erhebliche Mehraufwand, der bei stringenter Planung vermeidbar ist.
Filmleuchten-Vergleich




- Fluoreszenzleuchten (FL)
- Hochdruck Halogenstrahler (HMI)
- Light Emitting Dioden (LED)
- Temperaturstrahler (TU) z.B. Glühlampen
Gemessen wurden jeweils vier gebräuchliche Filmleuchten unterschiedlichen Alters aus dem Bestand. Zwecks besserer Vergleichbarkeit, sind die Emissionsspektren in den Diagrammen hier normalisiert dargestellt, d.h. in Prozent ihre jeweiligen Maximums angegeben. Auffällig sind die doch erheblichen Unterschiede, speziell auch bei Filmleuchten die Tageslicht simulieren oder unterstützen sollen. Deren Lichtverteilung weicht relativ stark vom natürlichen Tageslicht ab. Die bei einigen Filmleuchten auftretenden Emissionsspitzen können so dazu führen, dass bestimmte Farben überbetont werden und andere wiederum nicht bunt genug erscheinen würden. Welche das sind wurde oberhalb bzw. unterhalb der Diagramme explizit dargestellt.
Fazit: Die Farbtemperatur allein anzupassen genügt nicht. Auch den Wellenverlauf gilt es zu berücksichtigen. Gut, wenn das Spektrum der jeweiligen Leuchten bekannt ist und als LUT bei der Korrektur eingearbeitet werden kann. Ein konstanter und kalibrierter Workflow, vom Licht über Kamera bis zum Kontrollmonitor ist wünschenswert und kann helfen die ständig steigenden Postproduktionskosten eindämmen.
Fazit: Und Isabell hätte wohl im Licht einer TU-Filmleuchte charmanter ausgesehen.
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