Dunkle Fassaden dank TSR

Oft tun sich Bauherren und Hausbesitzer schwer, ihre Fassaden dunkel beschichten zu lassen. Denn dunkle Fassaden heizen sich schneller auf als helle. Besonders kritisch sind wärmegedämmte Fassaden. Hier kann es zu einem „Hitzestau“ zwischen Putz und Dämmstoff kommen, was zur verstärkten Rissbildung oder gar zu Abplatzungen führen kann.
Tatsächlich wird für Wärmedämmung ein Hellbezugswert von größer 20 empfohlen. D.h. die Farbe sollte nicht zu dunkel sein, um eine übermäßige Erwärmung zu verhindern. Die empfohlenen Hellbezugswert sind jedoch irreführend, denn sie machen keine absolute Aussage über das Temperaturverhalten eines Farbtones. Per Definition berücksichtigen sie nur die Helligkeit eines Farbtons im sichtbaren Teil des Lichtspektrums. Ein Großteil der durch den Beschichtungsaufbau in Wärme umgewandelten Sonnenenergie trifft jedoch in Form von IR und UV-Strahlung auf die Fläche. Nach heutigem Stand der Technik ist der TSR Wert (Total Solar Reflectance) entscheidend. Er umfasst das Verhalten im gesamten Absorptionsbereich einer Farbe, nicht nur in dem für uns sichtbaren Bereich.

Was tun, um dunkle Farbgestaltung zu ermöglichen?
Wissenschaftler der BASF haben eine Pigmentierung entwickelt, die das Energie-Absorptionsverhalten von Beschichtungen verändert. Cool Colors mit TSR-Technologie. So pigmentierte Beschichtungen nehmen deutlich weniger Lichtenergie auf als herkömmliche Farben. Das bedeutet, weniger Licht- wird in Wärmeenergie umgewandelt. Dank dieser Innovation lassen sich erstmals „schwarze“ oder zumindest anthrazitfarbene Farben herstellen, die sich weniger aufheizen und selbst auf WDVS einsetzbar sind. Mehr dazu in unserem Artikel Cool Color.

Gold- und Silberscheideanstalt in Pforzheim, Die Abbildung zeigt den fotorealistischen Farbentwurf von FarbeLive® aus dem Jahr 2014

Tipp:
Bei der handwerklichen Ausführung gilt es einiges zu beachten. Es kommt nicht nur auf die Pigmentierung der Beschichtung an, sondern auf das Zusammenspiel zwischen Untergrund, Wärmedämm-System und Beschichtung.
Warum der Untergrund einen Einfluss auf das Absorptionsverhalten hat, leuchtet zunächst nicht ein. Fassadenfarben werden in der Regel ja deckend aufgebracht. Deckend bedeutet aber nicht zwangsläufig deckend in allen Spektralbereichen. Pigmente, die im sichtbaren Bereich von 380 bis 740 nm Wellenlänge gut deckend sind, können im nicht sichtbaren Infrarot bzw. Ultraviolett durchaus transparent wirken.
Es kommt mit auf den Untergrund an, ob der Farbtrend zur „schwarzen“ Fassade auch technisch gelingt.

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