Farbenblindheit
Gerade im Cockpit sind Signale und Symbole für die Sicherheit moderner Flugzeuge ganz entscheidend. "Amber Cautions" heißen die Gefahrenmeldung. Gleich einer Ampel wird deren Dringlichkeit chromatisch abgestuft dargestellt: Solche eindeutigen Farbsignale kennt und versteht jeder. Sie sind universell.
- GRÜN bedeutet OK
- GELB weist auf eine Abweichung hin und verlangt nach Beachtung
- ROT erfordert das sofortigen Eingreifen des Piloten
Darüber hinaus nutzen moderne Passagier-Jets auch weiter, weniger eindeutige Farbbotschaften. Ein farbiger Pfeil im Airbus zeigt beispielsweise den „Speed Bug“, den Geschwindigkeitsmodus an: BLAU manuell, VIOLETT computergesteuert.
Die Farbsignale im Cockpit zu erkennen, ist ein Gebot der Sicherheit und in den meisten Staaten sind Farbsehtests desshalb eine Eingangsvoraussetzung für eine Ausbildung zum Flugzeugführer.

Übrigens die umgangssprachliche Farbenblindheit ist in den meisten Fällen nur eine Farbsehschwäche und bei Männern weit stärker verbreitet als bei Frauen. Das ist idR meist genetisch bedingt, kann aber auch durch eine Schädigung des Auges oder dem Alter geschuldet sein. Während wir die Verschlechterung unseres Gehörs durch Hilfsmittel ausgleichen können, ist das beim Sehen nicht ganz so einfach. Den individuellen Farbverstärker eingebaut in eine Brille gibts leider nicht – noch nicht. Viele Betroffene bemerken ihre Farbsehschwäche erst, wenn sie beruflich mit Farbe konfrontiert werden oder sie sich über den merkwürdigen Farbgeschmack Normalsichtiger wundern. Übrigens stehen Farben selten für sich allein. Sie sind an Objekte, Situationen etc. gebunden. Da das menschliche Gehirn äußerst anpassungsfähig in der Reizverarbeitung und Wahrnehmung ist, kann es leichtere Farbschwächen sogar ausgleichen. Man kennt ganz unterschiedliche Arten und Stufen der Farbsehschwäche. Am verbreitetsten ist die Rot-Grün-Schwäche, die sogenannte Protanopie bzw. Deuteranopie. Die völlige Farbenblindheit, die Achromatopsie, ist hingegen äußerst selten. Eine Ausnahme gilt für die Bewohner der Südseeinseln Pingelap und Pohnpei. Vielen Bewohnern dieser mikronesischen Inseln fehlt eine bestimmte Gensequenz. Sie können die für uns so wichtige grüne Farbpalette überhaupt nicht wahrnehmen. Doch zurück zu Peter, unserem fiktiven Pilotenanwärter. Um seine Tauglichkeit in puncto Farbwahrnehmung zu testen, wird meist der nach seinem Erfinder benannte Ishihara-Farbtafel-Test genutzt. Der Testperson werden pseudoisochromatische Farbtafel vorgelegt, auf denen eine Zahl, die in ein farbiges Punktmuster eingebettet ist erkannt werden soll. Zeigen sich hier eine mutmaßliche Sehschwächen, folgt ein weiteres Testverfahren, der Lanterntest nach Beyne. In Deutschland führt das Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln solche Tests durch.
„Die Idee hinter dem Test ist es, eine möglichst realitätsnahe Situation zu schaffen, indem der Testperson in einem abgedunkelten Raum einzelne kleine Lichtpunkte in den Farben Rot, Grün, Blau, Weiß und Gelb in zufälliger Reihenfolge und für kurze Momente gezeigt werden. Hierbei muss die Testperson diese ohne Fehler benennen können.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Lanterntest_(Beyne)
Zum Schluss noch eine kleine Anekdote: Während meines Farbdesign-Studiums gab es wohl einen Rot-Grün-Blinden Studenten. Der mogelte sich gar bis zum Diplom. Oje – ein einfacher Farbtest bei der Aufnahmeprüfung hätte das sicher verhindert.
ähnliche Beiträge: Bezold-Effekt