Lichtspektren im Vergleich

Filmlicht ist nicht gleich Tageslicht – diese zuweilen schmerzhafte Erfahrung wird wohl jeder Filmschaffender zu Anfang seines Schaffens machen.
Besonders kritisch sind Hauttöne. Ihre äquivalente Lichtfarbe liegt um etwa 600-620nm Wellenlänge. Filmleuchten, die in diesem orangefarbigen Bereich ihres Lichtspektrums schwach sind oder deren Linienverlauf Energiespitzen aufweist, verfremden die Hautfarbe der Protagonisten. Das kann bis zu einem gewissen Grad mittels Filter bereits beim Dreh ausgeglichen werden, doch bei Filmaufnahmen mit Mischlicht (Tageslicht + Kunstlicht) entsteht regelmäßig ungewollte Schattenfarben und Fehlfarben im Teint. Das zu korrigieren erfordert in der Postproduktion einen erheblichen Mehraufwand, der bei stringenter Planung vermeidbar ist.

Das Diagramm zeigt beispielhaft die spektrale Leistungsverteilung von Filmleuchten: (FL) Fluoreszenzleuchten, (HMI) Hochdruck Halogenstrahler, (LED) Light Emitting Dioden, (TU) Temperaturstrahler. Im Hintergrund grau hinterlegt das Spektrum von Tageslicht
(Mittags, Sommer, Stuttgart)

Gemessen wurden vier typische Filmleuchten aus dem Bestand. Zwecks besserer Vergleichbarkeit, sind die Emissionsspektren in den Diagrammen hier normalisiert dargestellt, d.h. relativ zum jeweiligen Maximums.
Auffällig sind die doch erheblichen Unterschiede, speziell auch bei Filmleuchten, die Tageslicht simulieren oder unterstützen sollen. Deren Lichtverteilung weicht relativ stark vom natürlichen Tageslicht ab. Die bei einigen Filmleuchten auftretenden Emissionsspitzen können so dazu führen, dass bestimmte Farben überbetont werden und andere wiederum nicht bunt genug erscheinen. Natürlich gilt das nicht für alle am Markt befindlichen Filmleuchten Typen.

Fazit: Welche Art von Filmleuchte am geeignetsten ist, hängt von der Aufgabenstellung ab. Während TU-Strahler den Teint der Protagonisten und den langwelligen Farbbereich von gelb bis rot betonen, lassen sie grüne und blaue Objekte eher gräulich erscheinen. HMI-Leuchten indes sind universeller einsetzbar. Sie betonen den kühlen Farbbereich, zeigen mitunter aber kleinere Schwächen bei Rottönen. Das prädestiniert sie für technische und sachliche Inhalte und immer dann, wenn eine hohe Lichtausbeute bei annähernd Tageslicht gewünscht wird.
Zur Zeit der Messung im Jahr 2015 waren die als Filmleuchtmittel verwendeten LEDs technisch noch nicht ausgereift und zeigten den typischen blauen LED-Peak. Heute gibt es verbesserte Modelle, die den Blaubereich weniger stark betonen. LEDs erfreuen sich vor allem durch ihren relativ niedrigen Energieverbrauch und ihre flexiblen Einsatzmöglichkeiten immer größerer Beliebtheit.
Auch altern Leuchtmittel, was eine Verschiebung ihrer Farbtemperatur zur Folge haben kann. In jedem Fall ist es ratsam, vor dem Dreh das Spektrum aller am Set verwendeten Filmleuchten zu vergleichen. Am besten mithilfe eines Spektrometers oder, falls kein Messgerät zur Verfügung steht, mit einem einfachen Farbfächer, wie man ihn in jeder Farbenfachhandlung bekommt.

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